AV0777 Oral History Projekt „Alle Wege führen nach Mannheim“: Interview mit Eleni Kafaltzi, 2012 (Audiovisuelle Sammlung)

Archive plan context


Title:Oral History Projekt „Alle Wege führen nach Mannheim“: Interview mit Eleni Kafaltzi
Ref. code:AV0777
Ref. code AP:AV0777
Originalmedium:nur digital vorhanden
Datumsbemerkung:03.11.2012
Creation date(s):2012
Rechte:Stadtarchiv Mannheim
Inhalt_AV:Maria Alexopoulou [i. F. MA]: Heute ist der 3. November 2012. Wir befinden uns am Messplatz 7 in Mannheim, Neckarstadt-West. Mein Name ist Maria Alexopoulou und ich interviewe im Rahmen des Oral History Projekts „Alle Wege führen nach Mannheim“ Frau Eleni Kafaltzi. Frau Kafaltzi sind Sie damit einverstanden, dass dieses Interview aufgenommen wird?
EK: Ja.
MA: Wie lange leben Sie in Mannheim?
EK: Seit 1970.
MA: Und in Deutschland? Sind Sie direkt nach Mannheim gekommen?
EK: Ja, direkt, weil die Eltern hier gewohnt haben.
MA: Was ist Ihre jetzige Staatsbürgerschaft?
EK: Immer noch griechisch.
MA: Und Ihr Beruf?
EK: Arbeiterin. Ich war zwar jung hier gekommen, aber hatte nur Arbeit im Kopf damals, so wie alle Ausländer oder wie man’s nennt. Und alle nur Arbeiten im Kopf damals. Jetzt, wenn ich die Zeit zurücknehme, dann hätte ich bestimmt einen Beruf. Ich habe in Griechenland ein bisschen Schneiderin gelernt oder so, aber nett so korrekten Beruf.
MA: Lassen Sie uns jetzt in die Vergangenheit gehen, da würde ich Sie gerne fragen wo und wann Sie geboren sind und dass Sie so ein bisschen erzählen über Ihren Geburtsort, Ihre Familie, Ihre Geschwister?
EK: Ich bin geboren in Drama in dem Dorf Xiropotamos Drama, 1953. Meine Eltern damals waren sehr arm, kann man sagen. Weil mein Vater hat keinen Vater gehabt, nach dem Krieg waren es schwierige Jahre. Viel gearbeitet, dass ma überlebe diese Zeit. Wo dann die Zeiten gekommen, wo alle Leute nach Deutschland auswanderten, dann ist es soweit, da hat damals mein Vater gesagt „Ich geh“. Weil wir hatten ein altes Haus, das Elternhaus von meinem Vater war sehr alt. Ich als Kind habe immer gehört „Ich gehe für zwei Jahre, nur das Haus zu machen, dass wir das Haus reparieren und frisch machen und dann kommen wir wieder zurück“. So mit den Gedanken sind sie damals, viele, nicht nur mein Vater, aber viele, nach Deutschland gekommen. Ein oder zwei, drei Jahre, mein Schwiegervater war genauso in der damaligen Zeit in den sechziger Jahren. Dann sind die zwei Jahre rum, mittlerweile ein Teil von unserem Haus, das alte Haus, was wir gehabt haben, ist von einem Unwetter und so ist ein Teil abgerissen. Dann haben wir schnell dem Vater geschrieben, „Komm das Haus wird wahrscheinlich auch nicht mehr lange halten“ oder so. Dann ist er gekommen, hat mit bissele Geld, dass er gespart hat in den zwei Jahren, hat er angefangen ein neues Haus zu bauen, mit wenig Geld. Damals war auch nicht viel Geld zu verdienen.
MA: War er eigentlich schon in Mannheim direkt?
EK: Nein, mein Vater ist in Reutlin- nein, Alt-, in der Nähe von München, weil seine Schwester dort gelebt hat. Wie heißt denn das jetzt? Ich kenn ’s nicht mehr, weil es ist schon fünfzig Jahre zurück, in der Nähe von München war es auf jeden Fall. Dann ist er zurück für drei Monate, weil das Haus abgerissen wurde und wollte das Haus anfangen zu bauen. Das Geld war natürlich schnell fertig. Er hat nur die Wände außen rum gebaut, war kein Geld mehr do, dann sind wir wieder zurück. Weil er da die Arbeit aufgegeben hat, in dem Ort hat er keine Arbeit gefunden, dann ist er dann nach Mannheim, das war 1967. Es war eine schwierige Zeit, auch so eine bisschen schwierige Zeit so wie jetzt mit den Arbeitsverhältnissen. Er hat lang Arbeit gesucht. Als Arbeitsloser war es nicht so wie jetzt - ich weiß nicht, ich kenne von damals nicht die Situation. Nach vielen, zwei Monaten, wo er immer gesucht hat, die andere Schwester hat hier in Mannheim gelebt, darum ist er nach Mannheim gekommen. Nach schwierigen Zeiten, kann man sagen, nach zwei Monaten, hat er einen Arbeitsplatz gefunden in Neulußheim, in einem Sägewerk. Ich kann mich gut erinnern, er hat immer gesagt, er hat schwer gearbeitet, zehn, zwölf Stunden am Tag für ein bissel Geld, damals war es nicht so… Und dann ist meine Mutter dazugekommen. Dann hat er gedacht, ja, entweder er kommt wieder zurück, aber das Haus war noch nicht fertig, er konnte noch nicht zurückkommen. Dann hat meine Mutter gesagt, „Entweder kommst Du wieder komplett zurück, weil die Familie kann nicht auseinander leben“. Dann hat er gesagt, okay, und dann ist meine Mutter gekommen. Wir, ich und mein Bruder, sind bei der Oma geblieben. Ich war zwölf, nein dreizehn, vierzehn Jahre alt. Dann waren wir mit Oma drei Jahre alleine und ich hab immer gewünscht, dieses Auseinanderleben war nett so gut. Wir haben immer geschrieben, damals gab es auch kein Telefon, sodass man immer mit Telefon spricht. Jede Woche haben wir einen Brief geschrieben. Jedes Mal im Brief habe ich gesagt, „Ich will auch nach Deutschland, ich will auch nach Deutschland!“
MA: Und Ihre Eltern haben damals gedacht, dass sie wirklich dann auch wieder zurückkommen und dass sie diese paar Jahre bleiben und das Haus…?
EK: Ja, bis das Haus fertig ist, so war der Plan, kann man sagen. Ich hab dann immer viel, jede Woche, wo ich einen Brief geschrieben habe, habe ich geschrieben, ich will auch. Dann haben sie gedacht, okay, holen wir sie. Damals war meine Tante im Urlaub und da haben die mich genommen. 1970 war das. In der Zwischenzeit hat mein Vater aber dann einen anderen Arbeitsplatz gefunden hier in Mannheim. In Neulußheim war die Arbeit zu schwer und hat sich gar nicht gelohnt. Dann war die Lage schon ein bisschen besser geworden. Dann ist er zu der Fabrik Bob Reuther in Waldorf und hat dort einen Arbeitsplatz gefunden.
MA: Und Ihre Mutter, wo hat sie gearbeitet?
EK: Die Mutter hat auch einen Platz im Schloss, in der Küche, in der Cafeteria. Sie war auch sehr zufrieden. Auf einmal haben sie weniger Stunden gearbeitet und mehr Geld verdient wie in Neulußheim, kann man sagen. Da war es schwer, ich weiß nicht, ob es das Werk noch gibt mittlerweile. Dann bin ich gekommen, hier her nach Mannheim. Sie hatten dann einen besseren Arbeitsplatz und eine bessere Wohnung, kann man sagen.
MA: Wo haben die dann gewohnt damals?
EK: Ich bin eine Nacht in Sandhofen, da waren sie grad am Umziehen. Weil ich bin am 30. August angekommen und ab 1. September haben sie dann eine andere Wohnung gefunden. Es war schwer mit Wohnungen damals. Die Miete war sehr teuer, die Wohnung war zwar schön und möbliert, aber dann hätten wir die Wohnung mit zwei Familien genommen. Das hat fünfhundert, sechshundert D-Mark gekostet, das war zu viel für diese Zeit. Damals waren viele Leute so und dann haben wir eine große Wohnung geteilt durch zwei oder drei Familien sogar. Ich weiß von meiner Cousine oder Tante, die haben in einem Zimmer mit zwei Kindern sogar. Damals war es schwierig.
MA: Sie haben dann mit der Tante geteilt die Wohnung?
EK: Nein, nein mit Fremden. Es waren auch Griechen aber, Bekannte. Wir haben es geteilt, die waren nur zu zweit, also Mann und Frau. Wir hatten eine Dreizimmer-Wohnung. Dann die zwei Zimmer für die und ich habe im Wohnzimmer oder in der Küche geschlafen.
MA: Und Ihr Bruder war da gar nicht bei Ihnen?
EK: Der ist da noch nicht dazu gekommen, das war das erste halbe Jahr. Mein Bruder ist erst später gekommen. Und in dieser Zeit, ich war schon mittlerweile siebzehn, wo ich nach Deutschland gekommen bin, siebzehn, ja. Ich kannte keine Freundinnen und keine Bekannten. Ich war immer mit meinen Eltern in der Bar, damals auch im griechischen Kino da.
MA: Wo war das, war es da, wo das Atlantis jetzt ist?
EK: Ja, damals war das griechische Kino dort. Da sind wir jeden Sonntag ins Kino. Das war meine Unterhaltung, kann man sagen, mit den Eltern. So habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Ich war noch siebzehn, ein bisschen mehr wie siebzehn, noch nett achtzehn. Meinen Mann habe ich dann kennengelernt aus Zufall. Er ist auch zu dem Nachbarn, mit dem wir gewohnt haben, oft zu ihm zu Besuch gekommen. Er war auch jung, auch zwei Jahre erst in Deutschland. Nach dem Militär ist er nach Deutschland gekommen. Auch für ein besseres Leben, kann man sagen, ja.
MA: Und wie war das eigentlich, als Sie noch in Griechenland waren, was für eine Vorstellung hatten Sie da von Deutschland? Wie haben Sie sich das vorgestellt hier?
EK: Ja, wie habe ich es mir vorgestellt? Das erste Mal, wo ich es gesehen habe, „Alles so dunkel hier“. Wir sind abends angekommen in Mannheim, dann war Nacht. Der nächste Tag war September. Ich war gewöhnt an viel Sonne, alles war hell. Auch die Häuser waren alle so dunkel hier. Meine Augen mussten sich erst einmal daran gewöhnen. Ja, das war der erste Eindruck, es war alles so dunkel. Es war auch bewölkt, wie heute zum Beispiel, so.
MA: Was war das vom Gefühl her, eher dann so enttäuschend?
EK: Ja, ein bisschen, ein bisschen enttäuschend schon. Weil die Häuser alles nicht so viel Balkone und alles mehr für sich, wie man‘s nennt. Im Dorf war es halt…, in der Stadt vielleicht auch wieder wie hier, aber ich habe im Dorf gewohnt, da war’s anders. Es war dort alles frei. Die Nachbarn und so, man hat mit jedem geredet oder ihn gerufen und so. Hier ist es anders, wir waren gleich in der Wohnung drin. Niemand kannte man und so, keine Freundinnen gehabt noch in der ersten Zeit. Es war vielleicht auch der Fall, dass ich zu schnell geheiratet habe dann. Weil ich war zu Hause nur, nicht so wie jetzt die jüngeren Leute, die sind ganz anders. Damals waren wir, als junges Mädchen, als siebzehnjährige, war es ein bissele… Und dann habe ich nach einem halben Jahr ungefähr angefangen zu arbeiten. Wo ich dann gearbeitet hab, ist es mir ein bisschen besser geworden, klar.
MA: Wo waren Sie dann? Wo haben Sie gearbeitet?
EK: Ich hab in einem, weil ich noch nicht achtzehn war, habe ich so in einer Schneidereifabrik gearbeitet. Damals war es auch nicht so wie jetzt, dass man sagt, ich geh gleich und such Arbeit. Ich weiß nicht, wie das war, aber in jedem Fall, wo ich mich gemeldet habe, haben sie gesagt entweder – ich habe auch kein Deutsch gekannt – jedenfalls haben wir eine Arbeit gesucht, dass ich dann die Arbeitserlaubnis bekomme. Damals war die Arbeitserlaubnis… Dann haben wir diese Schneidereifabrik, in Käfertal, da in der Nähe von BBC, damalige BBC, da hab ich zweieinhalb Jahre gearbeitet dort. Inzwischen habe ich geheiratet aber.
MA: Wie war es damals mit der Sprache?
EK: Es war schwer, weil ich dann angefangen habe wirklich Deutsch zu lernen. Nicht so wie heute, die Leute, die kommen und gleich in die Schule gehen. Auch die Neuen, wenn sie jetzt kommen, gehen sie meistens gleich Deutsch lernen. Damals war es kein Muss Deutsch zu lernen. Jetzt, wenn man Arbeit sucht, muss man erst Deutsch können, heute. Aber damals war es egal. In der Fabrik war eine Frau, ein bisschen älter als ich, die Deutsch konnte und war dann Dolmetscherin.
MA: Also es war eine Griechin, die schon da war und die hat Sie dann eingewiesen?
EK: Ja, und jedes Mal, wenn es Probleme gab, hab ich immer sie gefragt. Wenn der Meister was zu mir sagen wollte, hat er immer sie gerufen. Sie war als Dolmetscherin in der Fabrik. Bis ich dann in einem Jahr angefangen habe, es selber zu lernen. Aber nur praktisch, nicht in die Schule gegangen.
MA: So beim Alltäglichen halt?
EK: Ja, so mit den Kollegen. Ich habe oft mal ein Heft gehabt und habe immer die Wörter geschrieben. Manchmal vielleicht falsch gehört und falsch geschrieben [lacht]. Das war der Fehler, den ich gemacht habe damals, wo ich nicht in der Schule richtig Deutsch gelernt habe.
MA: Hätte es denn die Möglichkeit gegeben, gab es denn Kurse oder irgendwas, wo die Leute hingehen konnten?
EK: Weiß ich nicht. Keine Ahnung. Als ich noch siebzehn war, bestimmt hätte ich dann die Möglichkeit gehabt, denke ich.
MA: In die normale Schule zu gehen?
EK: Ja, oder vielleicht zwei, drei Klassen weniger. Ich weiß es nicht, ich habe gar nicht versucht in die Schule zu gehen.
MA: Was war Ihr Plan eigentlich damals? Sie haben ja gesagt der Plan von Ihren Eltern war eigentlich das Haus. Was war Ihr Plan?
EK: Nur bei meinen Eltern zu sein. Aber in der Zeit, innerhalb von einem Jahr, habe ich meinen Mann kennengelernt und dann geheiratet, so schnell.
MA: Da waren Sie dann auch nicht mehr bei Ihren Eltern [lacht].
EK: Ja, das stimmt. Da wo ich dann geheiratet habe, dann ist auch mein Bruder dazugekommen, dann ist er auch geblieben. Der war auch sechzehn, zwei Jahre jünger wie ich. Ich war achtzehn, wo ich geheiratet habe, und mein Bruder war sechzehn. Dann ist er auch zu den Eltern gekommen.
MA: Und das Haus?
EK: Das Haus, ja mit der Zeit haben sie es zwar fertig gemacht, aber nicht mehr zurück. Gut nur immer jedes Jahr, mein Vater wenn er in Urlaub war, hat er noch etwas dazu gemacht, immer noch was dazu, bis er dann in ein paar Jahren fertig war. Aber dann waren wir hier und er konnte nicht mehr zurück, er war schon Mitte fünfzig, wo alles gemacht war. Und ja, jetzt kann er nicht mehr zurück, wo soll er jetzt eine Arbeit finden? Dann ist er doch geblieben bis zur Rente. Der Plan war für zwei, bis zwei Jahre, bis das Haus fertig ist und er ist doch bis zur Rente hier geblieben.
MA: Diese Geschichte hört man oft. Warum denken Sie war das so, dass die Menschen dann doch… Oder auch Sie, Sie wollten ja erst mal bei den Eltern sein, gut Sie haben dann geheiratet und dann…
EK: Ja, innerhalb von einem Jahr habe ich schon geheiratet, mit achtzehn war ich schon außer Haus.
MA: Wie ist es dann für Sie weitergegangen? Also haben Sie dann eine Wohnung gemeinsam gesucht mit Ihrem Mann?
EK: Ja, wir haben geheiratet und erst mal gearbeitet bis wir in die Wohnung gingen, weil innerhalb von drei Monaten haben wir uns verlobt und gleich geheiratet. Wir haben nicht lange zusammen gelebt, das war nicht der Fall. Es war schwierig eine Wohnung zu finden in der damaligen Zeit, sehr schwer.
MA: Woran lag das, dass es so schwer war?
EK: Ja, es gab zu wenige Wohnungen noch. Nachdem wurden viele Wohnungen gebaut, aber normalerweise gab es damals viel zu wenige Wohnungen. Da waren auch viele zusammen, zwei Familien in einer Dreizimmerwohnung oder sogar mehrere Familien. Danach haben sie dann ein bisschen mehr gebaut, immer mehr gebaut und gebaut, dann ist es schon ein bisschen besser geworden. Dann geheiratet, im ersten Jahr ist meine Tochter auf die Welt. Dann habe ich zu einem besseren Arbeitsplatz gewechselt, wo mein Mann gearbeitet hat bei John Deere. Nach zweieinhalb Jahren, wo ich in der Schneiderei gearbeitet habe, habe ich gewechselt zu John Deere. Es ist eine bessere Fabrik und ich habe auch besser verdient.
MA: Was haben Sie da gemacht bei John Deere?
EK: Verpackung, Verpackung… gearbeitet sechsunddreißig Jahre lang.
MA: Wow!
EK: Ja, lange. Ich habe zwei bis drei Arbeitsplätze gewechselt in dieser Zeit. Da wo ich angefangen hab nach neun Jahren die Abteilung ist umgezogen nach Bruchsal. Da wollte ma nett mitgehen und dann bin ich in die Küche, dann haben sie mir einen anderen Platz gegeben in der Kantine, da war ich auch neun Jahre lang dort. Aber dann hab ich selber wechseln wollen, weil die Küche war zu schwer. Mit der Zeit hat mein Mann mehrere Leute kennengelernt und dann habe ich gehört, dass eine andere Frau in Rente geht. Dann habe ich mich beworben für diesen Platz. Auch wieder als Verpackerin, Verpackungsmöglichkeiten, Ersatzteile Verpackungen so.
MA: Und Ihr Mann hat dann auch all die Jahre dann bei John Deere gearbeitet?
EK: Vierzig Jahre hat mein Mann dort gearbeitet. Er war dort schon vier Jahre, wo ich dann dazu kam. Mein Schwiegervater hat auch dort gearbeitet und hat auch meinen Mann reingeholt, ja. Wir haben auch immer gearbeitet, und wir haben auch immer gehabt im Hinterkopf irgendwann nach Griechenland zurück zu gehen. Wir haben dann gespart, dass wir dann nach Griechenland zurück. Die Jahre gehen, dann sind die Kinder gekommen, dann sind sie in die Schule, dann gab es die Möglichkeit nicht mehr. Dann sind wir doch immer hier geblieben.
MA: Wie waren die Arbeitsbedingungen damals in den Fabriken? Da haben ja auch viele andere Gastarbeiter gearbeitet. Wie war das Verhältnis zwischen den Leuten und auch zu den Deutschen? Wie war das dann?
EK: Ich persönlich habe guten Kontakt mit den Leuten gehabt, auch mit Deutschen. Auch mit Frauen, die auch in der Fabrik gearbeitet haben. In der Abteilung, wo ich damals war, gab es sehr viele Türken, sehr viele. Das hat mich ein bisschen gestört, überhaupt von den Männern, wenn die Frauen in der Fabrik gesehen haben, das war nicht so angenehm, haben immer blöd geguckt und so [lacht]. Gut, ich hab aber immer einen Abstand gehabt. Ich habe aber auch zu türkischen Frauen guten Kontakt gehabt, so ist es nett. Die Arbeit hat mir gut gefallen, kann man sagen.
MA: Wie fanden Sie es damals, als Sie nach Mannheim kamen, hier haben ja schon viele Migranten gelebt. Griechen, aber auch andere. Wie war das für Sie, das damals so zu sehen, dass hier so viele verschiedene Menschen lebten?
EK: Ja, das war erst… Von Griechenland im Dorf habe ich so viele Nationen noch nie gesehen. Wo ich in die Stadt mit meiner Mutter gelaufen bin, hab ich dann immer verschiedene Sprachen gehört. Das war ein bissele, wie sagt man auf Deutsch… Ich habe immer versucht zu hören, was für eine Nationalität das ist. Mittlerweile habe ich das auch erkannt. So wie der spricht, ist er Türke oder Italiener oder Spanier oder je nachdem. Wenn ich in der Stadt war und jemand hat Griechisch gesprochen, auch nur von weit gehört und nicht gekannt, „Ach ein Grieche!“, da habe ich mich dann immer gefreut, wenn ich jemanden auf Griechisch gehört habe zu reden. Ja, so war die erste Zeit. Mittlerweile war es uns dann egal, aber als ich in der ersten Zeit, wenn ich jemand Griechisch sprechen gehört habe, hat mein Herz geklopft. Da habe ich gedacht, „Ach, es ist noch ein Grieche da“. Aber dann mit den Jahren, war es uns egal.
MA: Wie finden Sie das heute, ich meine vierzig Prozent der Bevölkerung hier hat ja einen Migrationshintergrund. Wie empfinden Sie das, dass Mannheim eine Migrantenstadt ist?
EK: Ich finde das gut. Wir haben keine Probleme miteinander. Ich habe keine Probleme, mit niemandem. Man kann immer leben zusammen friedlich.
MA: Und wie denken Sie, sehen das die Ur-Mannheimer? Wie denken Sie, wie die das sehen, dass Mannheim eben auch eine Migrantenstadt ist?
EK: Gut, ich habe wenig Kontakt mit Deutschen hier. Mit Deutschen habe ich auf der Arbeit Kontakt, aber hier in der Wohnung nicht. Gut, ganz früher haben wir eine Nachbarin gehabt, die haben wir zu uns nach Hause eingeladen und so, mal zusammen getrunken. Aber die hat uns nie einmal zu sich nach Hause geholt, zu Besuch oder so. Wir haben sie immer, wenn wir gefeiert haben, dann haben wir ihr immer gesagt, „Komm wir trinken was“ oder so. Aber nicht einmal hat sie uns eingeladen. Und in den Wohnungen hier haben wir wenige Deutsche. Jeder ist für sich. Weil es ein altes Haus war, waren auch viele Ausländer und wir haben nie so direkt… Aber wir haben auf der Arbeit guten Kontakt zu Deutschen gehabt. Wir haben seit fünfunddreißig, sechsunddreißig Jahren, wo ich mit Kollegen und wir sind immer noch befreundet. Auch Deutsche von der Pfalz, die sind oft nach Griechenland gekommen. Wir waren auch oft bei denen zu Hause. Auch durch den Fußball meiner Kinder sind wir später in gute Gesellschaft mit dem Fußballverein gewesen mit Deutschen zusammen. Das haben wir immer noch heute. Aber in der Wohnung direkt haben wir wenige Deutsche gehabt. Es war ein altes Haus, da waren nicht so viel Deutsche in der Wohnung. Gut, in der Zwischenzeit wurde es renoviert, aber mehr Studenten und junge Leute haben wir bis jetzt, da haben wir bis jetzt auch nicht so viel Kontakt im Haus. Aber außerhalb haben wir im Fußballverein zum Beispiel guten Kontakt gehabt mit Deutschen. Oft waren sie bei uns zu Besuch, die Familien. Wir sind auch oft bei denen.
MA: Wie war das so bei der Arbeit? Gab es das auch, dass Deutsche etwas über die Ausländer gesagt haben? Über die migrantischen Arbeiter, dass es da irgendwie Äußerungen gab?
EK: Das gab es auch mal, es gab auch mal Probleme. Es gab da auch Leute, aber es sind nicht alle gleich. Es gab Leute, wo, wenn die mal böse waren, haben sie „Drecksausländer“ oder irgend so ein Wort, ein Schimpfwort gesagt. Aber im Großen und Ganzen haben wir einen guten Kontakt gehabt. Ich selber habe keine Probleme gehabt. Ich hatte guten Kontakt mit den Mitarbeitern oder Kollegen.
MA: Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Sie diskriminiert wurden, weil Sie eben Migrantin sind? Dass Sie vielleicht ungleich behandelt wurden, egal in welchem Kontext?
EK: Ja, ich muss sagen, da wo ich als letztes gearbeitet habe. Wenn ich vielleicht… Die Arbeit, die ich gemacht habe zum Beispiel, wäre eine Deutsche – ich vermute, ich weiß es nicht –, aber ich gebe das Recht dazu, weil ich nicht in der Schule war, ich habe das alles gelernt, ich habe die Arbeit perfekt gemacht, besser als eine andere, aber nur ich habe keine Zeugnisse, keine Schulergebnisse. Da kann ich dann nicht verlangen, dass ich dann besser bezahlt werde. Ich habe die Arbeit gemacht, die letzten zehn Jahre, ich habe mehr Angestellten-Arbeit gemacht zum Beispiel mit Computer, alles bestellt und so. Aber wie gesagt, das hab ich alles nur praktisch und ab und zu mal ein kleines Seminar oder irgendwie, aber direkt habe ich das nicht… Ich habe aber oftmals gehört, dass für diesen Platz eine andere, die das gelernt hat, hätte viel besser verdient oder wäre viel besser bezahlt worden. Gut, man kann nicht alles haben. Ich war zufrieden. Es gab ab und zu mal, dass ein Kollege ein bisschen größeren Hass auf die Migranten hatte. In der Abteilung war einer, der immer „Dreckstürke“, vielleicht über mich auch hinter dem Rücken was gesagt. Aber es sind wenig so. Der war auch immer böse, wenn der Mensch immer mit den anderen böse ist, ist er auch mit den eigenen Leuten so. Er hat auch einen Freund gehabt und mit den anderen war er nur am Arbeitsplatz. Auch mit den Deutschen war er nicht so…
MA: Also war es vom Charakter?
EK: Ja, das war vom Charakter, ja.
MA: Es gab ja auch immer wieder, schon in den achtziger Jahren, dann auch später so, dass in den Medien auch negativ über Ausländer damals gesprochen wurde. Dann in den Neunzigern, ich weiß nicht, ob Sie das damals wahrgenommen haben, diese Anschläge, die es gab, oder jetzt auch wieder diese Anschläge. Wie empfinden Sie das so, für sich persönlich? Haben Sie das wahrgenommen?
EK: Nein, das hat mich nicht betroffen und auch nicht gestört. Das hat mich nicht gestört. Wenn jemand auch was gesagt hat, dann ging das in ein Ohr rein und vom anderen wieder raus. Ich wollte auch mit niemandem Krach haben, wenn mir jemand etwas gesagt hat, dann habe ich lieber so getan, als hätte ich nichts gehört, bevor ich das Wort zurückgebe. „Wieso hast Du das gemacht und warum sagst du Schimpfwörter zu Ausländern?“, das habe ich nicht reagiert. War mir lieber so, bevor ich dann jeden Tag mit jemandem Konflikte habe.
MA: Was denken Sie könnte besser sein? Jetzt konkret in der Stadt für Migranten, was könnte besser werden? Von Seiten der Stadt auch? Was denken Sie, was vielleicht ein Problem ist?
EK: Man fühlt sich hier wie in der Heimat. Wenn ich irgendwo in eine andere Stadt zu Besuch gehe und dann wieder nach Mannheim zurückkomme, fühle ich mich wieder gut, mir geht dann das Herz auf. Ich liebe diese Stadt.
MA: Gab es irgendwo in Ihrem Leben so einen Punkt, wo die Idee war, vielleicht in eine andere Stadt zu ziehen?
EK: Nein, nein. Trotz dieser Umgebung hinter uns, diesen Stadtteil. Jetzt zum Beispiel meine Kinder wollen hier nicht mehr wohnen, mein Sohn hat vor kurzem geheiratet und er wollte außerhalb von dieser Gegend hier wohnen.
MA: Wohnen die noch in Mannheim, Ihre Kinder?
EK: Ja, mein Sohn wohnt in Wohlgelegen. Er ist Arzt. Der jüngere, der sucht jetzt eine Wohnung, aber er will in Waldstadt, Feudenheim wohnen und nicht hier direkt in dieser Gegend.
MA: Ihr Sohn ist Arzt? Hat er dann hier studiert, hier in Mannheim dann auch?
EK: Ja, hier in Mannheim, im Klinikum, Orthopäde. Er ist auch verheiratet, zwei Kinder. Der jüngere Sohn, der jetzt frisch geheiratet hat, der arbeitet auch bei John Deere.
MA: Also da auch drei Generationen, sozusagen.
EK: Ja, die dritte Generation bei John Deere [Lachen]. Er hat gelernt, er wollte nicht studieren, wir haben es zwar versucht, aber er wollte nicht. Dann hat er Speditionskaufmann gelernt, jetzt ist er seit zwei Jahren bei John Deere. Er hat auch in der Spedition gearbeitet, dort wo er es gelernt hat, zwei Jahre lang. Da als die Krise begann, haben sie ihn dann nicht übernommen und dann ist er jetzt seit zwei Jahren bei John Deere. Mal sehen ob er noch bleibt, man hofft es.
MA: Ja, das ist ja nicht mehr wie früher, mit diesen vierzig Jahren fest…
EK: Ja, wo ich eingestellt wurde bei John Deere, war acht Wochen Probezeit und dann war es gleich fest alles. Heutzutage muss man dann zwei Jahre immer mit neuen Aufträgen und neuen Verträgen, man weiß es gar nicht, ob man dann die Gelegenheit hat zu bleiben. Mal sehen wie die Arbeitslage dann ist in der nächsten Zeit. Man hofft, dass er bleibt. Vierzig Jahre kann heutzutage keiner mehr in einer Firma machen.
MA : Nee! Ja, ja, das hat sich schon sehr geändert.
EK: Ja, weil die Zeiten sich geändert haben. Vielleicht, wenn man etwas gelernt hat, wie vielleicht studiert und dann hat man Glück, wenn man übernommen wird, aber eher weniger.
MA: Ja, das stimmt. Von Pater Georgios [Erzpriester Dr. Georgios Basioudis, Pfarrer der Griechisch-Orthodoxen Gemeinde Mannheim] weiß ich, dass Sie in der Kirche sehr aktiv sind. Könnten Sie darüber erzählen, wie es so dazu kam?
EK: Ja. Die ganze Familie war immer eng mit der Kirche. Damals, als ich jung war, war ich nicht jeden Sonntag in der Kirche, aber oft. Zwei oder drei Mal im Monat, zwei Mal sicher. Einen Sonntag in der Kirche und einen nicht, das war so am Anfang.
MA: Die war doch früher hier die Kirche oder hier in der Nähe?
EK: Die war hier in der Nähe von Jungbusch, gegenüber von der Moschee. Da habe ich auch geheiratet in der Kirche. Da waren wir mindestens zehn Jahre in der Kirche. In den Achtzigern, [19]81 haben sie uns dann die Kirche nicht mehr gegeben, weil nach der deutschen Liturgie, also wenn die Katholiken fertig waren, sind wir so um zwölf Uhr mittags hin, war die Kirche kurz, nicht so lang wie jetzt. Dann haben sie diese Kirche in Luzenberg gekriegt von der Stadt hier, ich weiß nicht wie das genau war. Seitdem wir die Kinder gekriegt haben, sind wir öfters mal in die Kirche, dass die Kinder die Religion besser kennenlernen und dass der Kontakt da ist mit der Kirche und so. Wir sind dann öfters mal in die Kirche und so kam es dazu, dass der Pfarrer gesehen hat, dass wir die Familie waren, die sehr oft da war, dann hat er das Angebot gemacht, dass wir dann, das war freiwillig zwar, aber die haben immer Leute gebraucht um zu helfen, wenn es Veranstaltungen gab. Auch in der Kirche, damals war es nicht so… Am Anfang, wo wir die Kirche bekommen haben, gab es noch keine Ikonen, wir haben sie immer rein und raus und haben sie immer abgeräumt. Mein Schwiegervater war da damals als… und dann ist der Schwiegervater in Rente gegangen und ist nach Griechenland zurück. Dann ist der Pfarrer zu uns gekommen, ob wir denn nicht bereit sind, wann wir Lust haben – haben sie das genannt – wann wir Lust haben zu helfen. So sind wir dann seit zwanzig Jahren jetzt, wo wir diese Arbeit in der Kirche machen und sehr aktiv sogar. Ich weiß nicht, was Pater Georgios gesagt hat?
MA: Nicht viel, nur, dass Sie eben ihn sehr unterstützen würden und ich hab ihn halt gefragt, ob er jemanden weiß für Interviews und so. Dann hat er sie halt auch genannt und hat gesagt, dass Sie auch sehr viel ihm helfen würden.
EK: Wir sind sehr aktiv. Mein Mann ist jetzt auch gerade in der Kirche, weil es eine Taufe gibt und da muss er helfen. Das ist aber alles freiwillig, man wird nichts bezahlt für diese Arbeit, die man macht. Aber es macht Spaß. Wir sind immer unter den Leuten, es kennen uns alle, alle Griechen und ich mache bei den Veranstaltungen immer mit und helfe mit. Zum Beispiel gibt es jetzt nächsten Sonntag das Brunch und da muss ich vielleicht für die Leute kochen. Wir sind sehr aktiv dabei.
MA: Und hat sich in den zwanzig Jahren auch etwas verändert innerhalb der Gemeinde?
EK: Ja, in den zwanzig Jahren, wo wir dabei sind, haben wir mittlerweile die Kirche gekauft. Wir haben immer Feste und Veranstaltungen gemacht und so, dass wir ein bisschen Geld einnehmen, weil die Kirche lebt nur von unseren Spenden von der ganzen Gemeinde, was die Leute spendieren. Kerzen kaufen und sowas, das sind meistens Spendengelder.
MA: Also die werden dann von Griechenland nicht unterstützt?
EK: Nein. Die ganze Gemeinde hier lebt nur von den Leuten, soviel ich weiß. Auch der Metropolit von Deutschland wird von jeder Gemeinde unterstützt, der Erzbischof oder so. An großen Feiertagen kommen sehr viele Leute und dann haben wir auch diese Feste ab und zu, so zwei, drei Mal im Jahr, dass wir dann auch was verdienen, auch für die Gemeinde. In diesen vielen Jahren, in den zwanzig Jahren, seitdem ich mithelfe, haben wir das Gemeindezentrum in Sandhofen und die Kirche gekauft. Alle Gelder sind von den Leuten hier, von den Mitbürgern in Mannheim. Der eine ein bisschen mehr, der andere ein bisschen weniger, aber jeder hat sich engagiert und uns unterstützt.
MA: Kommen die Leute noch?
EK: Ja, sehr viele. Wir sind regelmäßig, muss man sagen, jeden Sonntag sind es sicher hundert- hundertfünfzig bis zweihundert Leute und manchmal sogar mehr. Es sind genug. An Feiertagen sowie an Weihnachten oder Ostern sind sehr viele da, dann ist die Kirche sehr voll. An Ostern ist auch der Hof voll.
MA: Inzwischen kommen ja auch andere Leute, nicht nur Griechen?
EK: Ja. Inzwischen in den letzten Jahren sind viele Bulgaren, die haben noch keine eigene Kirche. Die kommen bei uns in die Kirche. An den Feiertagen ein bisschen mehr, aber es sind einige, die jeden Sonntag da sind. Dafür macht der Pater Georgios immer auch viel inzwischen auf Deutsch, dass sie auch was verstehen, die Predigt.
MA: Ich habe auch schon Leute aus Afrika gesehen.
EK: Ja auch, Äthiopien, glaube ich. Die sind auch orthodox und da kommen ab und zu mal ein paar, drei vier oder fünf, je nachdem.
MA: Hat es jetzt auch schon Kontakte unter den Leuten gegeben?
EK: Mit den Bulgaren haben wir ein bisschen mehr Kontakt, wir kennen schon einige. Zwei, drei, vier Leute, die auch immer helfen kommen, wenn wir ein Fest haben, dann helfen sie mit. Sie sind mit in der Gemeinde. Die Afrikaner nicht so. Es kommen auch Araber.
MA: Aus welchen Ländern kommen die dann? Syrien?
EK: Syrer, da sind sie auch orthodox. Ich weiß es nicht genau, irgendwo aus den arabischen Ländern. Sie haben jeden zweiten Sonntag auch Liturgie. Nach uns, wenn wir fertig sind, dann kommen sie.
MA: Haben die auch ihre eigenen Geistlichen?
EK: Ja, sie haben auch eigene Geistliche jetzt. Früher sind sie zu uns gekommen aber mittlerweile…
MA: Sind es vielleicht Kopten? Die Kopten gibt es ja auch, die sind auch eine christliche Religion, glaube ich, die es auch in Ägypten gibt.
EK: Ja, ich weiß es nicht, von wo sie kommen. Auf jeden Fall, wenn sie dann heiraten oder taufen, dann kommen sie auch in unsere Kirche. Aber sie haben ihre eigenen Geistlichen und Pfarrer. Der kann aber sehr gut griechisch, der Pfarrer von denen. Ein bulgarischer Pfarrer kommt auch einmal im Monat, der macht auch Liturgie samstags bei uns in der Kirche. Die anderen, die oft in die Kirche wollen, die kommen dann auch in unsere Liturgie mit, einige Familien, die wir mittlerweile schon gut kennen. Früher gab es, glaube ich, auch Rumänen, aber die haben jetzt auch ihre eigene Kirche, die Rumänisch-Orthodoxen.
MA: Russisch-Orthodoxe, gab es da welche oder hatten die gleich selbst ihre Kirche?
EK: Die haben auch selber Kirchen dann.
MA: Jetzt hätte ich noch ein paar Fragen zu Mannheim an sich. Was finden Sie typisch für Mannheim? So was ganz Typisches, wenn Sie so an Mannheim denken, was fällt Ihnen da spontan ein?
EK: Wenn ich an Mannheim denke, weiß ich nicht was ich da denke.
MA: Was unterscheidet es zu anderen Städten?
EK: Der Wasserturm und das Schloss. Es ist eine sehr einfache Stadt. Nach Ludwigshafen zum Beispiel, trotz, dass ich über vierzig Jahren hier lebe, da gehe ich gar nicht hin. Mir gefällt es auch dort nicht so, ich weiß nicht. Mannheim ist einfach, durch die Quadrate und so, das ist es viel einfacher. Auch von Leuten, die frisch nach Mannheim gekommen sind, habe ich einmal gehört, dass sie sich sehr, sehr schnell orientieren konnten. Eine Nichte von uns kam oft zu Besuch, die war am ersten Tag schon in der Stadt. Sie sagte, „Ich verliere mich nicht, ich kann wieder zurück“, und so war es auch, sie kam wieder zurück. Es ist eine einfache Stadt. Gegenüber kenne ich mich immer noch nicht aus, in Ludwigshafen, trotz dass ich die ganzen Jahre schon da bin.
MA: Man fährt irgendwie auch nicht nach Ludwigshafen [lacht], irgendwie ergibt sich es auch nicht.
EK: Mir gefällt es hier, es ist einfacher alles, wenn man in die Stadt geht.
MA: Gibt es ein Ort, wo Sie sagen, das ist so Ihr Mannheim, so Ihr Ort hier?
EK: Ja, hier, Alte Feuerwache.
MA: Inzwischen ist es auch ganz nett hier so mit den Veranstaltungen und so. Es ist laut wahrscheinlich manchmal, oder?
EK: Ach, uns stört das nicht. Früher mit den alten Fenstern, nur mit einem Glas, da war es laut. Auch beim Schlafen, wenn ein LKW vorbeigefahren ist oder die Straßenbahn, das war ziemlich laut. Mittlerweile mit den neuen Fenstern hört man das gar nicht. Dafür leben wir hier schon vierzig Jahre in dieser Wohnung, fast vierzig Jahre werden es nächstes Jahr.
MA: Sie sind damals mit Ihrem Mann tatsächlich hierhergekommen?
EK: Ja und wir sind immer noch in der gleichen Wohnung.
MA: Von der Lage ist es ja eigentlich perfekt, da ist man sofort überall.
EK: Wir wollten nie in eine andere Wohnung ziehen. Dadurch, dass es ein altes Haus ist, hat es hohe Wände. Inzwischen renovieren sie und machen eine neue Heizung. Uns gefällt es hier, in der Umgebung. Wir hätten vielleicht lieber eine bessere Wohnung, mit einem großen Balkon, aber die Gegend gefällt uns hier, da wollen wir auch nicht umziehen.
MA: Was gefällt Ihnen an Mannheim gar nicht?
EK: Mir gefällt nicht, weil zu viele Abfälle auf der Straße sind.
MA: Ja, das stimmt.
EK: Ich weiß es nicht, aber die Leute, wenn ich es hier vorne betrachte, dann haben sie an einem Tag alles aufgeräumt und am nächsten Tag ist es wieder voll. Ich weiß nicht, wer das ganze Papier wegschmeißt. Dann essen sie von McDonalds und schmeißen alles auf den Boden. Ich weiß nicht, was für Menschen sind das, dass man immer die Abfälle einfach so liegen lassen kann und sie nicht einfach in den Korb schmeißt? Das ist das einzige was mich stört. Auch in die Stadt, wenn man dann geht, sieht man das immer. In Ludwigshafen ist es sauberer wie hier, denke ich.
MA: Ja, vielleicht ist es auch wie halt auch sauber gemacht wird, wie das dann von der Stadt ist.
EK: Aber ich sehe von der Stadt kommen sie jeden Tag vorbei, die Müllmänner und die sauber machen. Aber es kommt immer wieder, Papiere, Becher, ja das stört mich halt manchmal.
MA: Haben Sie es jemals bedauert, dass Ihre Eltern hergekommen sind, dass Sie gedacht haben, „Ach, wären die doch dort geblieben und wäre ich doch dort geblieben“? Haben sie jemals diesen Gedanken gehabt?
EK: Nein, nein. Uns gefällt es hier. Wir sind auch Bürger von dieser Stadt geworden.
MA: Gut, dann danke ich Ihnen wirklich sehr für das Interview.
EK: Ich weiß nicht, ob ich alles richtig gesagt habe.
MA: Sie haben Ihr Leben erzählt [Lachen], da gibt es kein richtig oder falsch. Wenn Sie vielleicht noch irgendetwas haben, was Sie in diesem Zusammenhang erzählen wollen?
EK: Nein.
MA: Gut dann vielen Dank!
EK: Gerne.
Produktionsbeteiligte:Interviewerin: Maria Alexopoulou
Playing time:0:50:22
Ton:nur
Angaben zum Erwerb:D 51
Alte Signatur:Zug. 09/2014 Nr.8
 

Usage

Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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